In unserem Kampf für mehr Gerechtigkeit haben wir mit Verbündeten aus den Bewegungen und Gewerkschaften, der Wissenschaft und internationalen junggrünen Organisationen ein Programm zusammengestellt, in dem wir uns nicht davor scheuen, die grundlegenden Fragen der Transformation unserer Gesellschaft zu stellen und in eine gerechtere Zukunft zu blicken. Den Grundstein dafür legen wir am Freitag, dem 24.04., mit den „Many Struggles, One Fight – Einstiegsworkshops“, die die Trainer*innen der Grünen Jugend für uns auf die Beine gestellt haben. In zwei weiteren Workshopphasen widmen wir uns der kritischen Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse und diskutieren darauf politische Alternativen und Utopien!

Die Anmeldung für die Workshops ist bereits geschlossen.

Freitag, 23.04. April

Many Struggles, One Fight – Einstiegsworkshop Teil I & II (Trainer*innen der GRÜNEN JUGEND)

Als GRÜNE JUGEND wollen wir uns auf diesem Frühjahrskongress aufmachen und klären, wie wir politisch für mehr Gerechtigkeit kämpfen können. Um einen Einstieg ins Thema und die darauffolgenden Tage zu haben, wollen wir uns in diesem Workshop theoretisch und praktisch mit der Frage auseinandersetzen, woher die Ungerechtigkeiten, die wir alle erleben, eigentlich kommen und was unser Wirtschaftssystem damit zu tun hat.

Samstag, 24.04. April

10:00 Uhr

Luxemburgs Mobilitätsoffensive – ein Paradebeispiel für eine gerechte Mobilitätswende? (Fabricio Costa, Tanja Duprez, Joël Back – Grüne Jugend Luxemburg)

Weltweit fallen etwa 14% der Treibhausgasemissionen auf den Transportsektor zurück. In der EU liegt dieser Wert noch deutlich höher. Um eine klimaneutrale Gesellschaft aufzubauen spielt die Mobilität also eine sehr wichtige Rolle und vor allem der fossile Individualverkehr muss nachhaltigeren Alternativen weichen. Doch dadurch können neue Spannungsfelder entstehen, sowohl zwischen urbanem und ländlichem Raum, als auch zwischen wohlhabenden und finanziell schwächeren Haushalten. Die Gestaltung der Verkehrswende ist somit nicht nur eine klimapolitische, sondern auch eine soziale Herausforderung. Luxemburg verfolgt seit einigen Jahren eine regelrechte Mobilitätsoffensive. Der kostenlose ÖPNV ist dabei eine der medial wirksamsten Maßnahmen. Doch wie wirksam sind diese Maßnahmen mit Hinblick auf eine klimagerechte und nachhaltige Gesellschaft in der jede*r Bürger*in mobil ist? Sollten andere Länder Luxemburgs Beispiel folgen? Darüber wollen wir mit euch in unserem Workshop diskutieren!

Klimakrise, Arbeitsplätze, Klassenkampf: Wie eine gerechte Klimawende möglich wird (Franziska Heinisch – #ihrhabtkeinenplan)

„Ende des Monats, Ende der Welt – gleiche Logik, gleicher Kampf!“ So lautet ein Slogan der Gelbwesten-Proteste in Frankreich. Immer deutlicher zeichnet sich ab: Ökologie und Soziales gehören zusammen, wenn wir politische Kämpfe für Gerechtigkeit gewinnen wollen. Denn im globalen Kapitalismus werden Mensch und Natur gleichermaßen ausgebeutet. In diesem Workshop werfen wir einen Blick auf die dafür ursächlichen Strukturen und auf Schnittstellen zwischen Kämpfen für Klimagerechtigkeit und Arbeitskämpfen am Beispiel klimaschädlicher Industrien. Gemeinsam werden wir konkrete Strategien entwerfen, wie sich ökologischer und sozialer Strukturwandel zusammenbringen lassen. Was bedeuten die Zusammenhänge für den politischen Kampf? Wo muss Druck aufgebaut werden und welche Veränderungen sind notwendig, um Wege aus den Krisen zu ebnen? Wo liegt unsere Macht zur Veränderung, wer sind Gegner*innen und Verbündete, mit welchen Mitteln können diese Kämpfe gewonnen werden? Natürlich gibt es Wege aus den Krisen. Aber es liegt an uns, sie möglich zu machen. Dieser Workshop richtet sich an alle, die sich das (weiter) zur Aufgabe machen möchten.

Schreckgespenst Konsumkritik – warum die Antworten auf die Klimakrise nicht im Warenkorb zu finden sind (Kathrin Hartmann)

Die Journalistin und Autorin Kathrin Hartmann zeigt mir Ihren Veröffentlichungen, wie erfolgreich das kapitalistische System die Kritik an der wirtschaftlichen Produktionsweise und an der Ausbeutung von Mensch und Natur aufnimmt und sie für sich produktiv macht. Vor diesem Hintergrund wollen wir in dem Workshop die Verdienste und die möglichen Grenzen des Schreckgespensts Konsumkritik diskutieren: Inwiefern verzerren Forderungen nach, oder Aufrufe zu mehr bewusstem und nachhaltigen Konsum die politische Debatte, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit schützenswerten Ressourcen? Welches Problem- und Handlungsverständnis wird dadurch gestützt und inwiefern steht das einem echten Wandel der Verhältnisse im Weg? Warum muss die Idee der bloßen Konsumkritik also scheitern, einen wirklichen Wandel der gesellschaftlichen und ökologischen Verhältnisse nach sich zu ziehen? Welche alternativen politischen Visionen wir der bloßen Konsumkritik entgegenstellen können, wollen wir im Anschluss gemeinsam diskutieren.

System change not climate change – warum unser System das Klima kaputt macht (Philine Niethammer – Grüne Jugend)

Die Kohle wird weiter abgebaggert, Menschen arbeiten unglaublich viel und sind trotzdem arm und Unternehmen profitieren davon. Ihr findet das nicht gerecht? Ist es auch nicht! Wo diese Ungerechtigkeiten herkommen und was das alles mit unserer Art zu wirtschaften zu tun hat, das wollen wir uns in diesem Workshop anschauen. Wir werfen einen Blick auf Marx Analyse des Kapitalismus, um zu verstehen wie Mensch und Natur in ihm ausgebeutet werden. Und wir überlegen uns, wie uns unser neu gewonnener Blick auf unser System für unsere politische Arbeit im Kampf gegen Klimakrise und Ungerechtigkeit helfen kann.

13:00 Uhr

Die Agenda 2010: Armut per Gesetz (Sarah-Lee Heinrich – Grüne Jugend)

Die Agenda 2010 ist der Beweis dafür, dass nicht alles, was gut für die Wirtschaft ist, automatisch gut für die Menschen ist. Um „Wettbewerbsfähigkeit“ zu sichern wurde das soziale Sicherungsnetz gelockert, Arbeitnehmer*innenrechte abgebaut und der größte Niedriglohnsektor Europas geschaffen. Die Folgen dieser Politik waren und sind verheerend: Immer mehr Menschen verdienen in ihrer Arbeit so wenig, dass sie trotzdem in Armut leben, Hartz4 ist so niedrig, dass man von einer Grundsicherung kaum reden kann und Altersarmut ist für viele Menschen, vor allem Frauen, die Aussicht. Wenn jede 6. Person in Deutschland in Armut lebt, dann braucht es Veränderung! In dem Workshop werfen wir einen Blick zurück auf die Entstehung der Agenda 2010 und ordnen sie in die Gesamtgesellschaftliche Entwicklung des Neoliberalismus ein. Gemeinsam wollen wir darüber diskutieren, wie eine Politik ausgestaltet werden muss, die niemand in Armut zurücklässt.

The increasing exploitation of workers by the digital platform economy (Kim van Sparrentak – Greens/EFA)

Lieferando, Delivery Hero, Uber, Amazon and many other digitalcompanies rely on an ever growing number of workers to deliver for their customers. This creates a whole new segment of economy, the so called ‚gig economy‘ where workers are usually self-employed, must be extremely flexible and work below minimum wage standards. To understand the relevance of this topic and what we can do against it, Kim van Sparrentak (Member of the European Parliament, Greens/EFA) will talk with us about how exactly these companies exploit their workers and what concrete measures they use. Moreover, we want to discuss the role of organised labour, for example in the form of unions, in fighting for more just working conditions for workers in the gig economy. Finally, we consider the role of European legislation in this area and how state intervention can aid the protection of workers‘ rights.

Brot und Rosen – Frauenstreik als Weg zur Befreiung? (Teresa Petrik – Junge Linke Österreich)

Seit den Anfängen der Arbeiter*innenbewegung waren Frauen an gewerkschaftlicher Organisierung und Streikaktionen beteiligt. Auch die Organisation spezifischer Frauenstreiks ist historisch keine Neuheit. In den letzten Jahren wurde unter dem Banner „Frauenstreik“ oder „feministischer Streik“ zunehmend nicht nur für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen im Betrieb gekämpft, sondern auch gegen die ungerechte Aufteilung von unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen protestiert. In diesem Workshop wollen wir uns damit beschäftigen, wie ökonomische und feministische Kämpfe historisch und aktuell miteinander verbunden wurden und werden, und die Potenziale und Grenzen feministischen Streiks diskutieren.

Warum kämpfen wir? – Wie Arbeitskämpfe die deutsche Sozialpolitik verändern (Ami Lanzinger – Grüne Jugend)

Ohne Arbeitskämpfe würden wir wahrscheinlich noch immer 6 Tage die Woche, 12 Stunden pro Tag arbeiten. Für das gleiche Geld, das wir jetzt bekommen. An bezahlten Urlaub wäre nicht zu denken und Mutterschutz wäre nicht mehr als eine Utopie. In diesem Workshop wollen wir uns der Notwendigkeit und Bedeutung von Arbeitskämpfen widmen: Welche Rolle haben Gewerkschaften und Streiks in der Geschichte des deutschen Arbeitsmarktes gespielt, wie haben sie die Politik beeinflusst und in welchem Verhältnis haben sich die Parteien dazu bewegt? Auch wenn feststeht, dass Arbeitskämpfe historisch betrachtet viel erreicht haben, stehen den Bestrebungen für verbesserte Arbeiter*innenrechte noch immer viele Kräfte entgegen. Neben profitorientierten Unternehmen sind das auch die männerdominierten Gewerkschaften, denen wenig organisierte Beschäftigungsgruppen und der Niedriglohnsektor in den Verhandlungen gerne mal durchrutschen. Nach der Betrachtung von früheren Arbeitskämpfen wollen wir uns also den gegenwärtigen Kämpfen widmen und diskutieren, wie sich an diese anknüpfen lässt und warum es wichtig ist, sich dafür einzusetzen, dass Streiks feministisch und solidarisch sind – denn an Ungerechtigkeiten und Ausbeutung mangelt es in unserem kapitalistischen System kaum.

15:00 Uhr

Das (vergiftete) Versprechen des Privateigentums – Keine Enteignung ist auch keine Lösung (Sabine Nuss)

Explodierende Mieten haben den Ruf nach Enteignung großer Immobilienkonzerne laut werden lassen. Das Anliegen findet breite Unterstützung. Entsprechend aufgeregt reagieren jene, die Privateigentum als Inbegriff der besten aller möglichen Welten sehen. Sie warnen vor der Rückkehr des Sozialismus mit seinen maroden Wohnungen, ökonomischer Stagnation und politischer Unfreiheit. Privateigentum, so heißt es, sei Garant für wirtschaftliches Wachstum, Wohlstand und individueller Freiheit. Doch Klimawandel und zunehmende soziale Ungleichheit zeigen mehr denn je seine dysfunktionale und zerstörerische Kehrseite. Wie kommt es zu diesem Janusgesicht des Eigentums und woher rührt seine ungebrochen hohe Legitimation?

Bildung im Wettbewerbswahn und Leistungsfetisch (Sara Worthmann/Sandro Philippi – Lernfabriken Meutern)

Das moderne, staatliche Bildungswesen stellt wahrlich eine historische Errungenschaft dar. Es soll der allgemeinen Aufklärung dienen und auf diesem Wege für Gleichheit, Freiheit und Solidariät sorgen. Die Realität sieht freilich anders aus. Im Zuge der Pandemie zeigt sich einmal mehr, wie das Bildungswesen als Schein-, Privilegien und Berechtigungssystem hervortritt. Das ist kein Zufall, sondern hängt mit der Funktion zusammen, die zertifizierte Bildung in einem kapitalistischen Staat erfüllen muss. Wir wollen uns in einem Workshop ganz grundlegenden Fragen nähern: Welche Ideale und Ansprüche werden an Bildung gestellt? Mit welchem Bildungssystem sind wir konfrontiert? In welchem Zusammenhang stehen soziale Ungleichheit und Bildung? Wie erklären sich Widersprüche zwischen Ideal und Wirklichkeit? Und welche Wirkung hat das momentane Wirtschaftssystem auf Bildung? Im Rahmen des Workshops wird es auch Raum geben, um die Effekte der Pandemiebewältigung auf unserer Bildungswesen zu besprechen.

Gesundheit ohne Profite – Gesellschaftlich gewollt, politisch nicht durchsetzbar? (Kalle Kunkel – „Krankenhaus statt Fabrik“)

Nicht erst seit der Corona-Krise ist die gesellschaftliche Wertschätzung für ein öffentliches nicht profit-orientierte Gesundheitswesen hoch. Politisch traut sich in der Politik kaum jemand, offen für Profitorientierung und freie Marktkräfte einzutreten. Und trotzdem ist die Ökonomisierung und Kommerzialisierung des Gesundheitswesens in den letzten Jahrzehnten immer weiter voran getrieben worden. Dabei werden Markt- und Profitanreize oft hinter positiv besetzten Begriffen wir Effizienz, Wirtschaftlichkeit und sogar Qualität versteckt. Dies macht es nicht einfach die politischen Interessen und ordnungspolitischen Konzepte hier bestimmten politischen Maßnahmen zu verstehen. In dem Workshop wollen wir mit einem Fokus auf die Krankenhausfinanzierung die grundlegenden Linien in der herrschenden Krankenhauspolitik und mögliche Alternativen diskutieren.

Gerecht ist das nicht – Sorgearbeit in der Krise (Alexandra Pater)

In diesem Workshop geht es um Sorgerarbeit, die nicht erst seit der Corona-Pandemie in der Krise steckt: Schlechte Arbeitsbedingungen, Personalmangel, demographischer Wandel, das Ersticken aller Aufwertungsbemühungen… Erzieher*innen, Pflegekräfte, Hebammen – sie alle können aktuell nicht ins Home Office geschickt werden, sondern arbeiten in erster Reihe und mit hohem persönlichen Risiko weiter. Warum ändert dies wenig an den Bedingungen, unter denen sie ihre Arbeit verrichten? Auch wollen wir in diesem Workshop einen kurzen Seitenblick darauf werfen, was der Wegfall öffentlicher Sorge (z.B. durch geschlossene Kitas) für Sorgearbeit im Privaten bedeutet. Ein Blick in die Zukunft soll auch nicht fehlen: Wo muss die Reise hingehen, damit Menschen für einander sorgen können, ohne sich permanent Sorgen um die Zukunft machen zu müssen?

17:30 Uhr

Differenzen ohne Einheit oder Einheit in der Differenz? Eine kritische Perspektive auf Intersektionalität. (Lukas Egger – Universität Wien)

Die in den 1980er Jahren entwickelte Theorie der Intersektionalität stellt den Anspruch, die Vielfältigkeit gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse adäquat auf den Begriff zu bringen und ihrem Zusammenhang nachzuspüren. Sie will ein praktisches Hilfsmittel für die Verbindung von Kämpfen gegen Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus sein, durch das zugleich Differenzen von Erfahrungswelten und Identitäten nicht übergangen, sondern berücksichtigt werden können. Im Workshop wird kritisch überprüft, ob der Intersektionalitätsansatz diese theoretischen und politischen Ansprüche erfüllt und er wird mit einer an Marx orientierten Theorie kapitalistischer Totalität verglichen. Daran anschließend soll diskutiert werden, wie eine politische Perspektive aussehen könnte, die Differenzen zur Kenntnis nimmt, ohne eine auf umfassende Befreiung zielende, universalistische Perspektive zu verlieren und ob die Theorie der Intersektionalität bei einem solchen Projekt behilflich sein kann.

Diskriminierung statt Befreiung für alle: Wie Rassismus als Ideologie bestehende Ungleichheit verschleiert (Fatma Kar fällt aus – Samah Hefny übernimmt hier)

Darf nur reden, wer betroffen ist? Sind „weiß und männlich“ das glorifizierte Böse? Weshalb sollen „Privilegien“ als Vorwürfe und Beschuldigungen des Rassismus nicht auch hinterfragt werden? Die aktuelle Debatte um Rassismus, ist in vielen Teilen eine akademischer und moralischer Diskurs. Es ist die Forderung nach mehr Repräsentation und Anerkennung. Warum wir „Klasse“ mitdenken müssen und der aktuelle Diskurs eine Neoliberale Forderung ist und keine emanzipatorische, soll in diesem Vortrag ergründet werden.

Gerechtigkeit im Staat – Wie beeinflussen staatliche Steuerungsinstrumente Geschlechtergerechtigkeit? (Lisa-Yashodhara Haller – Universität Hildesheim)

Wir leben in einer freien Gesellschaft. Es bleibt uns überlassen, wie wir unser Leben ausgestalten. Wir können lieben, wen wir möchten und selbst definieren, wer wir sein wollen, welchem Geschlecht wir uns zuordnen. Ganz so frei, wie wir uns das vorstellen sind unsere Entscheidungen jedoch nicht. Denn letztlich steuert der Staat durch bestimmte Instrumente unser Leben im Kapitalismus. Es wird reguliert, wer wann, wie und in welchem Alter Kinder bekommt, wie Zeit zur Fürsorge freigesetzt wird und wer für welche Form der Sorge Geld bekommt. In dem Workshop untersuchen wir die Zusammenhängen zwischen diesen vermeintlich ganz privaten Entscheidungen und deren sozialpolitischer Einbettung. Die Veranstaltung hilft, zu erkennen, wie alle unsere Handlungen und Einstellungen und letztlich auch unser Verständnis von Geschlecht vom Staat beeinflusst werden. Was geworden ist, kann auch verändert werden – mit unseren neu gewonnen Einblicken wissen wir, dass nichts so bleiben muss, wie es ist.

Sonntag, 25.04. April

10:00 Uhr

Die MMT als Türöffner zu progressiver Wirtschaftspolitik (Maurice Hoefgen – Autor „Mythos Geldknappheit“)

Ob Investitionsoffensive in Klimaschutz oder Ausbau des Sozialstaats – der finanzielle Handlungsspielraum des Staates wird chronisch unterschätzt. Keine Frage hat wohl so viele progressive Reformideen zu Fall gebracht wie jene nach der Finanzierung. Wenn die Zukunft gewinnen will, braucht darauf klare Antworten. Genau darum soll es in diesem Workshop gehen! Was können wir uns eigentlich alles leisten? Woher bekommt der Staat sein Geld? Wie funktioniert Staatsverschuldung? Wofür brauchen wir Steuern? Woher kommt die Inflation? All diese und viele weitere Fragen werden wir mit einem Blick durch die Brille der Modern Monetary Theory (MMT) beantworten!

Vergesellschaftung und Gemeinwirtschaft – Lösungen für die Wohnungskrise? (Ralf Hoffrogge – Deutsche Wohnen & Co. enteignen)

Gemeinsam mit Ralf Hoffrogge von der Initiative „Deutsche Wohnen & Co Enteignen“ diskutieren wir über Kapitalkonzentration auf dem Wohnungsmarkt. Wie entstanden die Großen Wohnungs-Aktiengesellschaften – und wie werden wir sie wieder los? Ausgehend vom Beschlußtext des Berliner Vergesellschaftungs-Volksentscheid wollen wir diskutieren, was die Forderungen von Deutsche Wohnen & Co enteignen eigentlich sind. Danach geht es in die Debatte: ist dieser Vorschlag überhautp juristisch und praktisch umsetzbar? Ist er finanzierbar? Wie würde der Berliner Wohnungsmarkt bei einem Erfolg des Volksbegehrens aussehen? Und, ist das Modell übertragbar auf andere Städte?

Vermögensungleichheit gefährdet Demokratie (Sven-Christian Kindler – Bündnis 90/DIE GRÜNEN)

Die Verteilung von Vermögen ist eine zentrale Frage für Gerechtigkeit. Aber es geht um mehr als nur den sozialen Ausgleich. Extreme Ungleichheit gefährdet auch die Demokratie. Menschen ohne Vermögen haben kaum politische Einflussmöglichkeiten, sie werden von demokratischen Prozessen ausgeschlossen. Wer viel Vermögen hat, hat mehr Zugänge um die eigenen Interessen durchzusetzen oder ihnen Gehör zu verschaffen. Ungleichheit destabilisiert demokratische Gesellschaften, sie führt zu teilweise berechtigten Misstrauen gegen demokratische Institutionen und bereitet den Boden für national soziale Demagog*innen. Wenn in Krisen große private Vermögen staatlich gesichert, aber nach der Krise nicht zur Verantwortung gezogen werden nährt das die Erzählung von denen da oben, die sich um die da unten nicht kümmern. Rechte Verschwörungsmythen bekommen so Zulauf. Deswegen ist es wichtig, dass große Vermögen stärker besteuert werden und Vermögen umverteilt wird.

12:30 Uhr

Ost New Deal – Potenzial einer sozial-ökologischen Transformation im Osten (Ines Schwerdtner – Jacobin Magazin)

Gerade der Osten war mehrfach hart von Umbrüchen getroffen. Der heutige Strukturwandel droht insbesondere politisch rechts aufgegriffen zu werden. Deshalb braucht die politische Linke eine konkrete Vision des sozial-ökologischen Umbaus, der die Spezifik des Ostens ernst nimmt.

Arbeit im Kapitalismus. Von 4-Tage-Wochen und garantierten Jobs (Florian Wilsch – Grüne Jugend)

Im Kontext der Coronakrise haben in Deutschland wie in vielen anderen Ländern viele Menschen ihre Arbeit verloren oder sind in Kurzarbeit. Seitdem haben Ideen wie sich die Arbeitswelt umgestalten lässt, die es in ähnlicher Form seit längeren gibt, wieder an Fahrt aufgenommen: Linke Parteien und Organisationen wollen die Arbeitszeit verkürzen, sodass wir alle in Zukunft nur noch z. B. 4 Tage in der Woche arbeiten müssen. In den USA setzen sich linke Demokrat:innen und Ökonom:innen für eine Jobgarantie ein, also ein Versprechen, dass alle die arbeiten wollen, einen sinnvollen Job vom Staat bekommen – z. B. in Gesundheit und Pflege, beim Bau von Wohnungen und Infrastruktur, für Klimaschutz oder in ihrer Community.

Alte Ausbeutung in „neuen“ Firmen. Der Kampf von und gegen Lieferando und Co. (Freie Arbeiter*innen Union)

Fahrradkurier*innen erleben in immer „neuen“ Firmen altbewährte Ausbeutungsformen. Keine Selbstbestimmung, keine Kolleg*innen, kein Betrieb, keine Kontrolle. Ständige Überwachung, ständige Veränderung, ständige Eigenverantwortung. Platform- und Gigeconomy attackieren Arbeiter*innenrechte und kämpfen systematisch gegen ihre demokratischen Interessenvertretungen, also Betriebsgruppe, Betriebsräte und Gewerkschaften. Lieferando und Co. ignorieren Gerichte, brechen Gesetze und Menschen. Lieferdienste verbrauchen Arbeiter*innen, Energie und Verpackungsmaterial. Damit schaden sie Natur und Gesellschaft. War essen, trinken und einkaufen schon jemals so natur-, demokratie- und arbeiter*innenfeindlich wie seit Lieferando und Co.?