Das Schlagwort der Solidarität steht derzeit wieder allerorten hoch im Kurs, besonders seitdem es die ersten bestätigten Fälle von Covid-19 in Deutschland gab. Von der Fernsehansprache Merkels über den Deutschen Ethikrat und die Debatte in der Europäischen Union zu sogenannten Corona-Bonds bis hin zur Nachbarschaftshilfe und der Seenotrettung wird an die Solidarität appelliert – was auch immer damit im Einzelnen gemeint ist. Solidarität, einst ein dezidiert linker Begriff, ist heute Synonym für sozialen Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe und das füreinander Einstehen. Solidarisch ist heute jede*r – oder behauptet es zumindest.

Im Workshop werden wir Solidaritätsappelle im Kontext der Gesundheits- und Klimadebatte analysieren. Dabei werden wir herausarbeiten, was mit Solidarität jeweils gemeint ist, welche Grenzen sie zieht, wen sie ein- und wen sie ausschließt und worauf sie abzielt. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach der politischen Praxis der Solidarität: Ist sie Sache des Individuums oder kollektive Praxis? Ist ihr Ort der lokale Kontext oder der globale Zusammenhang und wie steht das wiederum im Verhältnis zur alten Devise von „think gloabally, act locally“? Was sind Kriterien einer emanzipatorischen Solidarität und wie lässt sich diese mit Leben füllen? Welche konkreten politischen Forderungen im Sinne einer grenzenlosen Solidarität lassen sich in Bezug auf Gesundheits- und Klimapolitik formulieren?

Mirko Broll forscht an der LMU in München im BMBF-geförderten Projekt „Praktiken der Solidarität“ am Lehrstuhl ‚Politische Soziologie sozialer Ungleichheit‘ (Prof. Dr. Stephan Lessenich).